Die dreizehnte Rune des älteren Futharks bedeutet "Eibe". Dieser Baumart werden in der nordischen Mythologie, wie auch in anderem kulturellen Umfeld, zauberhafte Kräfte nachgesagt. Sie hat Bezeichnungen wie "Totenbaum" erhalten und wurde sehr häufig auf Friedhöfen gepflanzt. Ihre Frucht kann in höheren Dosen für den Menschen tödlich wirken. So ist es nicht überraschend, dass die Eiwaz-Rune mit dem Jenseits, dem Totenreich, der Unsterblichkeit und der Magie in Verbindung gebracht wird.
Für die Runenkunde spielt Eiwaz bzw. die Eibe eine größere Rolle, als stellenweise angenommen. Odin erhielt die Runenzeichen, als er mit dem Kopf nach unten an dem Weltenbaum Yggdrasil hing. Der Weltenbaum ist gängigen Vorstellungen zufolge eine Esche. Unumstritten ist das aber nicht. Aus gutem Grund lässt sich annehmen, dass der ewig grüne Yggdrasil eine Eibe ist.
Die Eibe ist immergrün, nicht aber die Esche. Außerdem wird Yggdrasil als Tor zum Jenseits betrachtet. Von beiden Bäumen trägt nur die Eibe giftige Früchte, die sogar den Tod bringen können. Es wäre nicht verwunderlich, wenn diese Früchte einst im Rahmen riskanter Riten verwendet wurden, um den feinstofflichen vom stofflichen Körper zu trennen, um Kraft der Wahrnehmung, schwankend zwischen Leben und Tod, jenseitige Dimensionen zu betreten.
Keine Rune stellt den Tod so stark dar wie Eiwaz. Dennoch wird der Tod hier nur als eine Art Eintrittskarte ins Jenseits gesehen, ein Zwischenschritt, der zum ewigen Leben führt. Und der nicht völlig unumkehrbar ist. Denn ein todnaher Zustand kann manchen Glaubensvorstellungen zufolge das Bewusstsein erweitern und die magische Entwicklung beschleunigen. Dafür aber die Frucht der Eibe zu nutzen ist vor allem aus heutiger Sicht sicherlich keine gute Idee.
Geist und Körper lassen sich angeblich auch auf meditative Weise vorübergehend trennen. Eine Kamikazeaktion ist dafür nicht nur unnötig, sondern auch unsinnig. Die für eine solche Loslösung erforderliche mentale Disziplin dürfte sowieso ungemein helfen, wenn man plötzlich einen Astralkörper zu lenken hat, der nur mit einem hauchdünnen Faden vom stofflichen Körper verbunden ist.
Unabhängig von den eben erwähnten Extremen steht die Eiwaz-Rune für Bewusstseinserfahrungen, die alltägliche Grenzen überschreiten. Ziel kann die Gewinnung von Energie sein und das Erlernen von Fertigkeiten, die gemeinhin als magisch betrachtet werden. Es geht darum, seine Grenzen kennenzulernen und sein mentales wie spirituelles Potenzial voll auszuschöpfen.
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